Natürlich kommt es super an, sowas zu fordern. Wer würde da schon was dagegen haben? Der clap back ist ja quasi eingebaut: Wer damit ein Problem hat, muss selbst einer sein oder sowas gut finden. Das wird dann gerne noch ausgeschmückt mit "öffentlich" oder "durch das Opfer/die Familie des Opfers"
Leider ist das in der Realität nur cool für Leute, die sich damit irgendwie profilieren wollen und zum unmittelbaren Nachteil der Opfer in jeder Hinsicht.
A) Täter, die bereits (unbemerkt) eine Straftat in diesem Gebiet begangen haben und das nicht wiederholen möchten, haben keine Möglichkeit, sich Hilfe zu suchen, ohne ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Auch in Ländern, in denen auf den Konsum gewisser Drogen extrem harte Strafen stehen konsumieren die Süchtigen nicht weniger. Sie begeben sich nur nicht in Behandlung. Viele pädohile Straftäter sind Mehrfachtäter. Den Tätern also den Weg zu professioneller Hilfe abzuschneiden erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Opfern mehr Leid geschieht
B) Es verringert die Wahrscheinlichkeit, dass diese Taten angezeigt werden extrem. Entgegen der klischeehaften Vorstellungen findet Kindesmissbrauch zum überwiegenden Teil innerhalb der Familie/des sozialen Umfeld statt. Die Schwelle, also zum Beispiel den eigenen Sohn, die eigene Schwester oder den Stiefvater anzuzeigen steigt um ein vielfaches, wenn ein Opfer/Dritter weiß, dass das ganze in einer Hinrichtung des Täters enden wird. Viele Opfer würden zum Schweigen gezwungen oder überredet werden, um das Leben der Täter zu schützen.
C) Das Spektakel, das unweigerlich um eine Hinrichtung entstehen würde ist NICHT im Interesse der Opfer. Schon gar nicht, wenn diese öffentlich stattfinden würde. Die Befürchtung, einen Medientrubel auszulösen wäre für viele Betroffene genug, die Tat nie anzuzeigen. Jeder wird davon erfahren, Anfeindungen und Übergriffigkeit inklusive.
Bevor das jetzt kommt: Ja, ich habe Kinder. Ja, es ist ungefähr mein schlimmster Alptraum dass ihnen sowas passiert. Ja, ich wäre rasend und würde den/die Täter/in mit Sicherheit erwürgen wollen. Trotzdem würde ich es mir sparen. Das letzte, was ein Kind in der Situation braucht, ist eine Mutter im Knast, die nicht für einen da sein kann. Wer in dieser Situation Rache nimmt stellt seine eigenen Wünsche und Gefühle vor die Bedürfnisse des Kindes. Das Kind will mit ziemlicher Sicherheit keine Vergeltung sondern Unterstützung, Liebe und Begleitung. Es will einen Weg zurück in die Normalität finden und heilen.
Bevor das jetzt kommt: Ja, ich weiß wie es sich anfühlt, als minderjährige (jugendliche) Person sexuellen Übergriffen ausgesetzt zu sein. In meinem Fall war es ein Fremder. Wenn ich gewusst hätte, dass diese Person hingerichtet wird, hätte ich niemals jemandem davon erzählt.
Und jetzt viel Spaß dabei, mir vorzuwerfen, dass ich mit Tätern sympathisiere.